Alles Leben ist Problemlösen

Wenn man auf Tagungen, Workshops, Netzwerktreffen etc. mit Teilnehmern ins Gespräch kommt und man sich über Arbeitsschwerpunkte austauscht, dann hallt mir bei den Worten ‘Kommunikation’ und ‘Digital’ oft ein Seufzen entgegen. Eines, in dem diese Verbundenheit einer Schicksalsgemeinschaft mitschwingt… ähnlich wie bei The Walking Dead. Das ist so eine Art Seufzen, das sagt: Ach je, der also auch. Dabei mag ich Projekte rund um digitale Prozesse. Warum? Allein schon deshalb, weil die meisten Prozesse, die auf digitale Verfahrensweisen umgestellt werden, mir die Arbeit erleichtern.

Trial & Error

Wenn ich Projekte rund um digitale Veränderung angehe, dann hilft es von der Frage auszugehen: Was, wenn das Gegenteil meiner Ideen richtig wäre? Das ist ein wichtiger Aspekt bei einem solchen Projekt: Es gibt keinen richtigen Weg. Und noch viel wichtiger: Man darf keine Angst vor Problemen haben.

Für NGOs ist es wichtig, Kommunikation noch stärker an digitale Kanäle zu binden. Es geht darum, die Dynamik und Frequenz zu erhöhen, mit der Informationen verteilt werden. Um zukunftsfähig zu bleiben gilt es, Wissensmanagement zu betreiben und Kollaboration zu fördern. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe im digitalen Zeitalter. Schnell und selbstbestimmt die Informationen finden, die man benötigt. Des Weiteren sollte es für Verbände der “anmaßende” Anspruch sein, als mutiges Vorbild in die digitale Welt voran zu gehen.

Vertrauen in die eigene Problemlösungskompetenz

“Digital” ist in vielen NGOs heute häufig noch etwas Unbekanntes und Neues. Man hat hat viele verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen. In Anlehnung an Karl Popper kann man es gut und gern erst einmal als Problem definieren, das es zu lösen gilt. Demnach gilt: Erst einmal anfangen! Nur so kommen wir dahin, wo wir eigentlich hin wollen. So, wie es auch Dirk von Gehlen vorschlägt: Pragmatismus als Prinzip.

Pragmatismus ist ein guter Wegbegleiter für solche Veränderungsprozesse. Lasst mich mit Technik spielen. Ich werde schon auf Probleme stoßen, die mich und das Projekt weiterbringen. Der größte Fehler, den wir bei digitalen Projekten machen können, ist, aufhören zu spielen und beginnen, uns zu sorgen. Wir sollten an Ideen feilen und neu entstehende Abzweigungen in den Blick nehmen. Am Anfang weiß man zwar meist wo man hin will, aber gar nicht, wo man eigentlich hin muss. 

Bereitschaft zu lernen

Ein wichtiger Aspekt bei Digitalisierungs-Projekten ist die notwendige Bereitschaft zu lernen. Trial and Error. Voran kommen ist ohne Scheitern nicht möglich. Deshalb sind Projektparameter, die ein zwischenzeitliches Scheitern zwangsläufig erscheinen lassen, sogar begrüßenswert. Man gestaltet Plattformen und Produkte zum Ausprobieren. Nie erhält man besseres Feedback, als wenn etwas nicht funktioniert. Läuft alles einigermaßen reibungslos ist das Engagement meist geringer. Deshalb ist es bei solchen Projekten wichtig, dass strategisches Scheitern erlaubt und erwünscht ist.

Umgang mit technischen Neuerungen

Douglas Adams hat für den Umgang mit technischen Neuerungen einmal gesagt: Alles was bei der Geburt existierte ist normal. Alles was bis zum 30. Geburtstag erfunden wird, wird als Chance begriffen. Und alles was nach dem 30. Geburtstag erfunden wird, ist eine potentielle Gefahr für den Status Quo und die Ordnung der Dinge.

Ich habe eine Leidenschaft für Prozessoptimierung, Change und eine hohe Affinität zu digital. Für mich geht es jeden Tag auch darum, die Organisation und ihre Mitglieder digital voran zu bringen. Deshalb stelle ich jeden Prozess, der mich betrifft, in Frage.

Welche Antwort ich am häufigsten auf meine Fragen höre? “Das machen wir schon immer so.” Oder: “Das haben wir noch nie so gemacht!” Meine Lieblingsantwort darauf? “Ja, ist doch super. Dann haben wir ja die Chance etwas Neues zu machen.” Und das ist wichtig. Das (Hinter-)Fragen wird nie aufhören und von allen Seiten kommen. Vor allem bei transformierenden Projekten. Denn es ist wie mit einer technischen Erfindung nach dem 30. Geburtstag. Es ist ein Angriff auf die Ordnung der Dinge.

Digital Leadership

Mit Projekten, die auf digital einzahlen, haben NGOs eine große Chance. Sie können eine wichtige Funktion für ihre Mitglieder übernehmen. Eine, die in Zeiten des Umbruchs von Entscheidern und Lenkern erwartet wird. Sie sollen sich mutig in eine ungewisse Zukunft aufmachen, ohne alle Antworten zu kennen. Sie sollen das kalkulierte Risiko eingehen, sich mit allem Fremden vertraut zu machen. Sie sollen alle Mitreisenden motivieren, diesen unbekannten und hindernisreichen Weg voller Begeisterung und Tatkraft mitzugehen. So beschreiben es Christiane Brandes-Visbeck und Ines Gensinger in ihrem Buch Netzwerk schlägt Hierarchie. Und das sollten sich Organisationen wie Verbände auf die Fahne schreiben. Sie sollen voran gehen und die Mitglieder inspirieren. Es gilt, sie einzubeziehen, ihnen zuzuhören und sie zu binden. Es gilt aber auch, sie zu motivieren und anzustoßen.

Motivation Is King

Ist man jemals mit einem digitalen Change-Projekt fertig? Eher nicht! Es tauchen stets neue Probleme auf, die ein riesiges Potenzial zum Scheitern bergen. Man muss sich immer bewusst machen: Diese Projekte sind work in progressSo wie die digitale Kultur nicht still steht, so sind auch diese Projekte nie abgeschlossen. Stets muss man eine neue Perspektive einnehmen und auf das Projekt schauen. Und das ist gut, denn so kreiert man etwas Nachhaltiges für die Organisation und ihre Mitglieder. Monitoring und Analytics werden als Parameter noch stärker an Bedeutung gewinnen. Wann braucht es welche calls to action? Wann muss man sich über Gamifacation oder Gratifikation Gedanken machen?

Kennzahlen und Messbarkeit, damit kennt man sich in der Kommunikation aus. Und da ist es wieder, dieses Seufzen…

… und wenn es mal wieder Probleme gibt, dann hilft nur er: ¯\_(ツ)_/¯

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